Warum die Grüne Parteispitze Recht hat

(Disclaimer: Obwohl ich Grünes Parteimitglied bin, stellt dieser Artikel lediglich meine persönliche Meinung und nicht eine Parteiposition dar.)

Momentan gibt es innerhalb der Grünen eine große Diskussion über die Zustimmung oder Ablehnung des von der schwarz-gelben Regierung geplanten Atomausstiegs. Die Parteispitze empfiehlt eine Zustimmung und erntet dafür massive Kritik von der Basis, unter anderem von der Grünen Jugend.

Im großen und ganzen beläuft sich die Kritik darauf, dass die Pläne der Regierung nicht weit genug gehen und man sie deshalb ablehnen soll.

Beispielsweise heißt es, die Grünen hätten sich auf einen Ausstieg 2017 festgelegt und könnten daher nicht einem Ausstieg 2022 zustimmen.

Allerdings würde nach dem Atomausstieg von 2002 der letzte Meiler auch erst 2020 vom Netz gehen.

Außerdem bedeutet Demokratie auch, dass man Kompromisse eingeht (was ja auch 2002 sicherlich geschehen ist, denn damals wie heute hätten die Grünen bestimmt lieber alle AKWs sofort abgeschaltet und nicht erst 18 Jahre später.) Und wenn die Alternative zu 2022 2035 oder 2040 heißt, dann ist 2022 sicherlich ein guter Kompromiss.

Zum ersten Mal besteht eine Chance auf ein dauerhaftes Ausstiegsgesetz, das nicht von der nächsten Regierung wieder zurück genommen werden kann. Bisher waren CDU/CSU und FDP immer die Unterstützer der Kernkraft. Daher stand zu erwarten, dass bei einer Regierung, an der weder SPD, Grüne oder Linke beteiligt sein würden, auf den Ausstieg ein Ausstieg aus dem Ausstieg folgen würde. Wenn diese ehemaligen Unterstützer aber plötzlich selbst das Ende der Kernenergie voran treiben, wird dies sicherlich von den alten Kernkraftgegnern bei einer neuerlichen Regierungsbeteiligung nicht zurück genommen werden. Und auch das schwarz-gelbe Lager wird sich hüten, in der Zukunft noch einmal eine solche Kehrtwendung zu vollziehen.

Im übrigen heißt eine Zustimmung heute zu den Plänen der Regierung ja nicht, dass man nicht weiter kämpfen kann für einen früheren Ausstieg, den man bei einer Regierungsbeteiligung ab 2013 favorisieren könnte.

Selbst wenn die Grünen gegen die Pläne der Regierung stimmen, ist die Wahrscheinlichkeit dennoch hoch, dass die Kanzlerin ihre Mehrheit erhält. Dann wären die Grünen, die von ihrer Gründung an gegen Atomkraft gekämpft haben, diejenigen, die gegen einen Ausstieg gestimmt haben. Damit würden wir an Glaubwürdigkeit verlieren, und wenn man den Umfragen glaubt, dann ist es gerade die Glaubwürdigkeit, bei der wir ganz vorn stehen.

Letztendlich ist die Kehrtwende der Regierung nicht ausschließlich auf Fukushima zurückzuführen. Schließlich ist Deutschland so ziemlich allein auf weiter Flur mit der Entscheidung, wegen der Katastrophe in Japan aus der Kernkraft auszusteigen. Nein, die Kehrtwende ist ein Grüner Erfolg, denn wenn wir bei den letzten Landtagswahlen nicht so stark abgeschnitten hätten, dann wäre es der Kanzlerin im Traum nicht eingefallen, ihre Laufzeitverlängerung zurück zu nehmen.

Links im Artikel:

 

Die Presse und ihre Angst vor externen Links

Hier ist etwas, das mich schon länger nervt... warum haben die Betreiber von Zeitungswebsites eigentlich so eine Angst, externe Links zu setzen? Insbesondere, wenn sie über eine andere Website schreiben?

Das ist mir schon mehr als einmal aufgefallen. Es wird über eine Website berichtet oder ein Interview mit einem Blogger geführt, und wenn ich mir das Blog oder die Website anschauen möchte, muss ich erst mal Google bemühen.

Aktuelles Beispiel und Anlass für diesen Artikel: Ich habe gerade bei Spiegel Online ein Interview mit einer bloggenden Lehrerin (← das da ist übrigens ein externer Link zum genannten Artikel, liebe Spiegel-Redaktion) gelesen, was ich sehr interessant fand. Also wollte ich mir das Blog natürlich auch mal anschauen. Link? Pffft. Das bringt die Leute ja nur weg von der Spiegel-Website. Im Artikel wird ein Beitrag auf besagtem Blog erwähnt, und die Erwähnung ist tatsächlich ein Link. Aber er führt zu einem anderen Spiegel-Artikel, der nichts anderes ist, als der Original-Blogeintrag, als Gastbeitrag verkauft. Der Satz, in dem sich der Link befindet, fängt an mit "Auf ihrem Blog haben Sie jetzt einen Text geschrieben...", dann folgt eine Beschreibung des Beitrages, die gleichzeitig den Link enthält. Mit dieser Einleitung würde ich natürlich erwarten, dass der Link auch zu dem entsprechenden Beitrag auf der Original-Website geht. Aber ich nehme an, da sind meine Erwartungen wohl etwas zu hoch gesteckt.

Obwohl dieses Beispiel Spiegel Online betrifft, sind sie nicht die einzigen. Das gleiche ist mir bei anderen Pressewebsites ebenso aufgefallen. Die Musikredaktion der Zeit beispielsweise berichtet gern über neue Bands oder neue Alben von altbekannten Künstlern, was ich ja auch gut finde. Meistens fehlen jedoch die Links, unter man sich auch mal was anhören könnte. Auch hier muss ich wieder Google bemühen.

Warum haben die Zeitungsbetreiber so viel Angst, die Leute von der eigenen Website weg surfen zu lassen? Die müssen die Qualität ihres eigenen Inhaltes ja sehr hoch einschätzen, wenn sie befürchten müssen, dass der Leser, nachdem er einmal einem externen Link gefolgt ist, nicht wieder zurück kommt.

Naja. Ich bin sicher, Google wird's ihnen danken...

 

Aufschrei

Bin hier gerade bei der Frankfurter Rundschau über ein Interview mit CDU-Fraktionschef Volker Kauder gestolpert, das bei mir sämtliche Alarmglocken schrillen lässt — insbesondere, weil die FR ihn einfach so davon kommen lässt.

Die Sprache kommt dabei irgendwann auf die Präimplantationsdiagnostik (PID), und dass Kauder da die typisch konservative Meinung zum Thema vertritt, überraschte mich nicht weiter und wäre auch kaum einen Beitrag mit dem Titel "Aufschrei" wert — egal, wie man selbst nun dazu steht, neu ist die ablehnende Haltung zum Thema nicht.

Nein, mein Aufschrei bezieht sich auf eine Antwort auf die Frage "Wir dachten, die Union wäre so sehr für die glückliche Familie?" Die folgte einer Diskussion über die Ethik der PID, und Volker Kauders Antwort darauf hat mit dem ursprünglichen Thema nichts zu tun und hat mich aus völlig heiterem Himmel getroffen:

Stimmt. Aber zuerst muss die Frage nach dem Kindeswohl gestellt werden. Es kommt nicht so sehr darauf an, ob die Erwachsenen als glückliche Familie leben wollen. Ich glaube nicht, dass sich Kinder wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen.

WTF!?

Und dann wechseln die Interviewer zu Stuttgart 21, als wäre nichts gewesen! Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Kauders Aussage, oder die Tatsache, dass die Fragesteller nicht darauf reagiert haben.

Nach dieser Äußerung hätte ich da schon noch ein paar Fragen zum Thema, zum Beispiel: Was hat das mit der Frage nach der Ehtik der PID zu tun? Oder: Wollen Sie damit sagen, eine Frau in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung hat kein Recht auf ein Kind? Und nicht zuletzt: Worauf basieren Sie diese Meinung? Gibt es verlässliche Studien zum Thema? Kennen Sie Kinder mit homosexuellen Eltern?

Ich finde es unfassbar, dass das von einer Zeitung einfach so übergangen wird. Wo ist der Aufschrei der Empörung?

Der Artikel ist noch nicht besonders alt, es gibt also noch Hoffnung, dass es wenigstens in der Politik noch Reaktionen darauf gibt. Aber vielleicht bin ich da zu optimistisch.

 

Transparenz: Eine Kosten/Nutzen-Rechnung

In die Diskussion über die neuen WikiLeaks-Veröffentlichungen bin ich über diesen schönen Kommentar von Cem Özdemir geraten, den er auch auf Facebook veröffentlicht hat.

Ich habe mich gefreut, das zu lesen, denn es entspricht genau dem, was ich mir schon am Samstag dachte. Im Gespräch mit einem Freund habe ich ähnliches auch schon geäußert, nämlich dass ich mir nicht sicher bin, ob eine Institution wie WikiLeaks wirklich alles, was ihr in die Finger fällt, auch veröffentlichen soll.

Bei Facebook ist eine schöne Diskussion um Cems Beitrag entstanden, ebenso Weiterlesen...

 

Versprecher — na und?

Ich frage mich, was eigentlich mit den Medien los ist.

Heute morgen Teaser auf der ersten Seite der Celleschen Zeitung: "Westerwelle: Patzer vor der UN". Dann, Seite 3, der eigentliche Artikel. In der Überschrift steht nur was von Westerwelle vor der UN. In der 2., kleineren Überschrift, heißt es dann, dass der Versprecher kaum aufgefallen sei.

Ich bin ja nun wirklich der letzte, der Westerwelle unterstützt, aber kommt, liebe Leute. Das ist lächerlich.

 

Greenwashing

Über die Werbung von der Metro könnte ich mich jedes Mal aufs Neue ärgern.

Anstatt wie die die meisten anderen ihre Prospekte in einem Papierumschlag zu verschicken, ist das alles immer in Cellophan verpackt. Das trifft sogar auf kleinere Sendung von normalem Briefformat zu. Schlimm genug.

Und dann besitzen sie die Stirn, das ganze über GoGreen von der Deutschen Post zu versenden.

Die Werbung wäre viel grüner, wenn sie auf das dämliche Plastik verzichten würden.

Schnauf.

 

Die Öffentlich-Rechtlichen und das Internet

Seit die Rundfunkgebühr auf internetfähige Geräte eingeführt wurde, ist die Diskussion um deren Rechtmäßigkeit groß, und das mit Fug und Recht. Die privaten Medien gehen auf die Barrikaden, weil sie Angst um ihr Geschäft haben. Der Nachbesserungsbedarf ist groß.

Aber die Entscheidung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Inhalte jetzt nur noch für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellen dürfen, ist keine Nachbesserung sondern eine Unfairness Weiterlesen...

 

Der Gutmensch und die braune Ecke

Es gibt da noch etwas, das mich in der Diskussion um die Thesen des Thilo Sarrazin extrem nervt. Es tauchen auf diversen Nachrichtenseiten immer wieder Kommentare von Lesern auf, die anscheinend mit Herrn Sarrazin sympathisieren. Die wehren sich dagegen, dass jemand, der "die Wahrheit" sagt (ein recht großzügiger Begriff, wenn man mich fragt), immer sofort in die "braune Ecke" gestellt wird. Gleichzeitig wird aber ein Mensch, der sich für mehr Toleranz und Verständnis auf beiden Seiten einsetzt, ohne dabei die Probleme schönzureden, von den gleichen Leuten sofort mit dem negativen Prädikat "Gutmensch" versehen.

Sicherlich geht es zu weit, jedem, der Herrn Sarrazin ein bisschen zustimmt, gleich die NPD-Mitgliedschaft antragen zu wollen. Aber genauso unfair ist es, diejenigen, die seine Aussagen verurteilen und für mehr Toleranz und Gesprächsbereitschaft werben, gleich als naive, realitätsferne Weltverbesserer hinzustellen.

Wie sollen wir eigentlich die Probleme zwischen Urdeutschen und Zuwanderern angehen, wenn wir uns selbst in zwei Lager mit verhärteten Fronten aufspalten?

 

Lieber Thilo,

wenn's dir bei uns nicht mehr gefällt, warum wanderst du dann nicht einfach aus? Zum Beispiel in die USA, da findest du bestimmt schnell neue Freunde. Ich bin sicher, die Tea Party-Freaks werden jemanden wie dich mit offenen Armen aufnehmen.Vielleicht wären sie sogar für ein paar Tips dankbar? Ich glaube nicht, dass es von denen einer geschafft hat, seine aufschlussreichen Thesen zum Islam so schnell zu Geld zu machen.

Schnauf.

Ich habe mich ja jetzt ein paar Tage lang gesträubt, meinen Senf zum Thema dazuzugeben; zum einen, weil ich denke, dass Herr Sarrazin schon genug unverdiente Aufmerksamkeit bekommt, zum anderen Weiterlesen...

 

“Der König der Narren” von Tanja Kinkel

Rating: ★★★☆☆

Bin gerade mit Tanja Kinkel's "Der König der Narren" aus der "Legenden von Phantasien"-Reihe fertig geworden und muss gestehen, dass ich leicht enttäuscht bin.

Achtung, Spoiler!

show

Spannend erzählt war es allerdings schon. Ich hatte zwar am Anfang etwas Schwierigkeiten, reinzukommen, aber das dürfte größtenteils daran gelegen haben, dass ich das am selben Tag angefangen hatte, als ich gerade (mal wieder) mit Harry Potter fertig geworden war. (Meine Schuld. Ich sollte eben nicht sofort mit einem neuen Buch anfangen, wenn ich gerade erst mit einem anderen fertig geworden bin.) Nachdem ich mich aber durch die ersten Kapitel durchgearbeitet hatte, fiel es mir dann plötzlich doch sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Kinkel's Charaktere sind sehr überzeugend, und Phantasien macht sie auch alle Ehre — bis auf ein paar kleine Ausnahmen:

  • Ich bin ja fast vom Stuhl gefallen, als Res in einem Dorf ankam, dass den Namen Sto-Vo-Kor trägt...
  • ...dessen Bewohner kleine Federkleidträger sind...
  • ... die später in der Geschichte auch noch ein Käfer(!)gericht namens "Gagh" verspeisen :roll:

Ich kann nicht sagen, was mich daran mehr genervt hat: die offensichtliche Abkupferung oder die Tatsache, dass die Bewohner dieses Dorfs mit dem klingonischen Namen Federn haben...

Außerdem trifft Res später in der Geschichte auf eine Gestalt, die mit Wotan, dem nordischen Gott identisch ist, obwohl dieser Name nicht genannt wird. Auch nicht besonders originell.

Obwohl ich die Geschichte insgesamt, wie gesagt, sehr spannend fand, überwiegt doch die Enttäuschung. Denn meiner Meinung nach ist jede Geschichte immer nur so gut wie ihr Ende. Da fand ich "Die geheime Bibliothek des Thaddäus Tillman Trutz" von Ralf Isau aus der gleichen Reihe wesentlich besser.